Geschichte

  • 60 Jahre Matthias-Film

    3. April 1948

    Zur Tagung des Evangelischen Presseverbandes Deutschlands in Salzdetfurth zum Thema „Kirche und Film“ sind Pfarrer, Filmschaffende und Journalisten eingeladen. Dies ist die erste Initiative zum Aufbau einer kirchlichen Filmarbeit.

    2. November 1949

    Auf Einladung des ersten Filmbeauftragten des Rates der Evangelischen Kirchen, Werner Hess (später Intendant des Hessischen Rundfunks), findet eine Versammlung von Evangelischen Landeskirchen, kirchlichen Verbänden und Organisationen in Frankfurt am Main statt. Sie fasst den Beschluss, eine eigene evangelische Filmarbeit aufzubauen. Der Film soll als Medium der „Volksmission“ genutzt werden.

    3. Februar 1950

    Die 15 Gesellschafter (Evangelische Landeskirchen, evangelische Verbände und Einrichtungen) versammeln sich zur Gründung der Matthias-Film GmbH.

    1. April 1950

    Die Arbeit von Matthias-Film in Stuttgart beginnt. Geschäftsführer ist Dr. Johannes Stuhlmacher, Mitarbeiter von Eugen Gerstenmaier beim Hilfswerk der Evangelischen Kirche. Matthias-Film hat die Aufgabe, Lizenzen für geeignete Filme zu erwerben und dafür zu sorgen, dass die Schmalfilmkopien (16 mm) zur Vorführung in die Kirchengemeinden gelangen.

    13. Mai 1950

    Der 13. Mai 1950 ist das offizielle Gründungsdatum der Matthias-Film gGmbH. Die Firmengründung wird notariell beglaubigt. Im Mai 1950 veranstaltet Matthias-Film auch den ersten Kurs zur Ausbildung von Filmvorführern für 16 mm-Filme.

    6. August 1950

    Uraufführung des Dokumentarfilms „Es war ein Mensch“ in Stuttgart. Der Film von Curt Oertel zeigt die Arbeit des Hilfswerks der Evangelischen Kirche (materielle und soziale Hilfe für Flüchtlinge). Er ist der erste und zu Anfang einzige Film im Verleih der Matthias-Film gGmbH.

    1. September 1950

    Mit nur drei Tonfilmprojektoren beginnen die „Wandervorführungen“ von Filmen in Kirchengemeinden der gesamten Bundesrepublik. Insgesamt besuchen 1950 circa 186.000 Personen die Filmabende in den Gemeinden.

    6. September 1951

    Deutsche Uraufführung des schwedischen Spielfilms „Station Afrika“ in Nürnberg (Kinoverleih durch Matthias-Film)

    1952

    Im Jahr 1952 beginnt der Ausbau des Verleihangebotes von Matthias-Film. Neben religiösen Filmen kommen auch anspruchsvolle Unterhaltungsfilme und Dokumentarfilme ins Programm. Das erste größere Filmpaket besteht aus sogenannten „Kulturfilmen“ wie „Eine Handvoll Reis“ (von Paul Fejos) oder „Station Afrika“ (beides schwedische Produktionen), Spielfilme wie „Mandy“ (englische Produktion) und der Dokumentation „Keiner ohne den anderen“ über den Evangelischen Kirchentag 1951.

    27. Juli 1952

    Premiere des Dokumentarfilmes „Der gehorsame Rebell“ von Curt Oertel in Hannover, bei der Versammlung des Lutherischen Weltbundes.

    12. Oktober 1952

    Deutsche Uraufführung des schwedischen Dokumentarfilms „Eine Handvoll Reis“ (1940 Regie: Paul Fejos) im Palast-Kino in Stuttgart (mit eigenem deutschen Kommentar im Verleih von Matthias-Film). Ende 1952 beginnen in Deutschland die Vorführungen von „Denn sie sollen getröstet werden“ (Cry, the beloved Country) von Zoltan Korda, ein englischer Spielfilm über den Rassenkonflikt in Südafrika. Der Film wird zu einem der größten Erfolge von Matthias-Film, auch in den Kinos.

    Ende 1953

    Deutsche Uraufführung des deutsch-amerikanischen Spielfilms „Martin Luther“ von Irving Pichel. Der Film wurde co-produziert von der extra gegründeten Luther-Film GmbH mit Matthias-Film als einzigem Gesellschafter. 1954 erhält der Film eine Oscar-Nominierung.

    1955

    1955 kommen circa 1.4 Millionen Menschen in kirchliche Filmvorführungen. Die über 100 Vorführer der Filmdienste zeigen in der ganzen Bundesrepublik „Matthias-Filme“.

    In den folgenden Jahren beginnen die Besucherzahlen bei den Kinoabenden der Filmdienste langsam zurückzugehen – die Konkurrenz des Fernsehens zeigt Wirkung. Matthias-Film verleiht immer häufiger auch an nicht-kirchliche Einrichtungen in der Jugend- und Erwachsenenbildung.

    1957

    31. Juli 1957 Premiere der deutschen Fassung des Dokumentarfilmes „Albert Schweitzer“ bei den Berliner Filmfestspielen. Der Verleih des Filmes wird für Matthias-Film ein überwältigender Erfolg.1958 erhält „Albert Schweitzer“ von Jerome Hili den Oscar als bester Dokumentarfilm.

    1958

    Im Katalog der Matthias-Film gGmbH finden sich insgesamt 26 Filmtitel.

    60er Jahre

    Matthias-Film bietet verstärkt Kurzfilme an. Kurzfilme bieten themenspezifische Informationen und Anregung für Diskussionen. Eindrucksvolle Beispiele von Kurzfilmen aus den sechziger Jahren sind u. a. die sogenannten „Meditationsfilme“ (gefilmte Bildbetrachtungen „alter Meister“ zu theologischen Themen) von Jörg Zink. Auch geeignete TV-Produktionen nimmt Matthias-Film in sein Programm auf.

    Dezember 1960

    Die Produktion von Fernsehbeiträgen übernimmt die neugegründete evangelische Eikon Gesellschaft für Fernsehen und Film mbH, die ursprünglich eine Tochter von Matthias-Film ist.

    In den evangelischen Kirchengemeinden finden jährlich circa 8-9.000 Abendvorführungen und bis zu 4.000 Jugendvorführungen von Spiel- und Dokumentarfilmen mit insgesamt 1,3 Millionen Zuschauern statt.

    26. Oktober 1961

    Deutsche Erstaufführung des deutsch-amerikanischen Spielfilmes „Frage 7“ von Stuart Rosenberg (über Kirche, Glaube und Gewissen in der DDR) in Hannover bei der Versammlung des Weltbundes lutherischer Kirchen. Ein ebenfalls viel diskutierter und gut besuchter Film, dessen deutsche Rechte bei Matthias-Film liegen. 1962 erhält „Frage 7“ das Bundesfilmband in Silber.

    1964

    Matthias-Film bringt die Fernsehkomödie „Seelenwanderung“, eine satirische Parabel von Rainer Erler über die Zeit des Wirtschaftswunders, in die Kinos.

    1968

    1968 nimmt Matthias-Film die Verfilmung „Das erste Evangelium – Matthäus“ von Pier Paolo Pasolini in sein Programm auf. Bis heute verkauft Matthias-Film den Film für die nichtgewerbliche Vorführung.

    70er Jahre

    Matthias-Film konzentriert sich auf die medienpädagogische Arbeit und bietet Hilfe und Beratung für den Einsatz von Filmen und AV-Medien an. Das Themenspektrum wird erweitert. Filme, die aktuelle Probleme und Fragen, insbesondere politische und soziale Konflikte ansprechen, sind ein Schwerpunkt des Programms.

    1970

    1970 kann Matthias-Film 150 Filme dem interessierten Publikum anbieten.

    26. Mai 1972

    Gisela Wolff, die seit Beginn Mitarbeiterin bei Matthias-Film ist, wird neue Geschäftsführerin. Dr. Johannes Stuhlmacher geht in den Ruhestand.

    1973

    Im Jahre 73 finden über 50.000 Filmvorführungen im Rahmen der kirchlichen Bildungs- und Jugendarbeit statt.

    1975

    Matthias-Film hat viele Produktionen auf Super 8 im Verkaufsprogramm. Dies bleibt ein kurzes Intermezzo. Super 8-Filme behaupten sich auf Dauer nicht für ein größeres Publikum. In der Bildungsarbeit setzen sich in den folgenden Jahren Videokassetten als neue Medienträger durch.

    1977

    Werner Herzogs Dokumentarfilm „La Soufriere“ über den drohenden Vulkanausbruch auf der Insel Guadeloupe ist im Verleih von Matthias-Film.

    Matthias-Film bietet erstmals Filme auf Videokassetten zum Kauf an.

    80er Jahre

    Die wichtigen politischen Diskussionen und Auseinandersetzungen der achtziger Jahre – Wiederaufrüstung oder Entwicklungspolitik – greift Matthias-Film bewusst in seinen Filmen auf.

    1. Januar 1982

    Das Evangelische Zentrum für entwicklungsbezogene Filmarbeit (EZEF) nimmt seine Arbeit auf. Das EZEF berät den Ausschuss für Bildung und Publizistik (ABP) bei der Förderung von Produktionen zum Thema Eine Welt. Dabei werden vermehrt nicht nur Produktionen aus Deutschland, sondern aus Lateinamerika, Afrika und Asien unterstützt. Die fertigen Filme werden durch Matthias-Film bundesweit vertrieben.

    29. Oktober 1983

    Gisela Wolff geht in den Ruhestand. Friedemann Schuchardt wird neuer Geschäftsführer.

    Oktober 1984

    „Das Autogramm“, ein Spielfilm von Peter Lilienthal, bei der Berlinale uraufgeführt, kommt in die Kinos, gefördert in der Produktion durch den ABP. Matthias-Film belebt mit dieser Produktion wieder den früheren Kinoverleih.

    1985

    Produktionen für den Bildungsbereich bestimmen das Angebot von Matthias-Film immer stärker. Die Vorführungen von Filmen in den Gemeinden werden selten.

    Oktober 1985

    Der Dokumentarfilm „Martin Niemöller: ‚Was würde Jesus dazu sagen?‘“ wird auf dem Mannheimer Filmfest uraufgeführt. Viele Programmkinos zeigen die Dokumentation von Hannes Karnick und Wolfgang Richter im Verleih von Matthias-Film.

    90er Jahre

    1992 schließt Matthias-Film seine Umstrukturierung ab. Der Filmverleih wird eingestellt. Videorekorder haben Projektoren für 16-mm-Filme endgültig abgelöst. Seither ist die Firma ausschließlich ein Medienvertrieb. Der Schwerpunkt des Angebotes liegt auf anspruchsvollen Kinder- und Jugendfilmen. Dazu gehören auch viele preisgekrönte internationale Produktionen, die in Deutschland keinen Verleih finden.

    19. April 1993

    Premiere des Kurzspielfilms „Risikoperson“ von Jörg Gfrörer, der im Auftrag von Matthias-Film mit Mitteln des Diakonischen Werks der EKD entstand. Der Film greift das Thema Gentechnologie auf.

    1994

    Matthias-Film erwirbt die Lizenz für den kanadischen Spielfilm „Henry & Verlin“ von Gary Ledbetter, lässt ihn synchronisieren und macht ihn so dem deutschen Publikum zugänglich.

    1995

    Als Co-Produzent engagiert sich Matthias-Film auch bei Animationsfilmen, wie z. B. bei der Kinderserie zu ökologischen Themen „Albert sagt“, die das ZDF ausstrahlt.

    1996

    In Zusammenarbeit mit dem SWF entsteht die erfolgreiche Spielserie „Montagskinder“, in der es um Probleme und Problemlösungen von Kindern geht.

    1998

    produziert Matthias-Film gemeinsam mit dem SWR eine Serie von sozialhistorischen Porträts. „... über die Zeit hinaus“ stellt Personen vor, die das soziale und politische Leben der letzten 150 Jahre mitgestaltet haben.

    2000

    Die Matthias-Film feiert ihren 50. Geburtstag. Das breitgefächerte Programm bietet circa 600 AV Medien: neben Videokassetten, CD-Roms und Dia-Reihen, immer noch 16-mm-Filme. Innovative Medienträger wie DVDs kommen hinzu.

    14. Februar 2000

    Zusammen mit den Organisatoren des Kinderfilmfestes der Berlinale richtete Matthias-Film dessen offiziellen Empfang in der Kuppel des Reichstags aus. Am gleichen Tag hat der Animationsfilm „Big Cat – Little Cat“, von Matthias-Film coproduziert, auf dem Kinderfilmfest der Berlinale Premiere.

    Juli 2000 ff

    Die Entwicklungen eines eigenen didaktischen Labels basierend auf der neu auf den Markt gekommenen DVD sind abgeschlossen. Die ersten 10 Titel werden nach einem festgelegten Schema mit dem Label-Titel „DVD educativ“ erstellt. Im Herbst 2000 wird die erste fertige DVD educativ („Das Tagebuch der Anne Frank“) der Öffentlichkeit vorgestellt und die Möglichkeiten des neuen Mediums demonstriert.

    2001

    Die DVD educativ entwickelt sich zur „Visitenkarte“ gegenüber den Kunden. Von allen Kunden werden die Leistungen dieses Labels anerkannt und als Maßstab für andere Anbieter gesetzt. Die 2. Staffel mit 15 Titeln wird begonnen.

    2002

    Bei der Berlinale wird mit großem Erfolg die Koproduktion „Anders-Artig“ von Christina Schindler aufgeführt. Die Produktion wird anschließened als DVD educativ ausgewertet.

    2003

    Anlässlich des Festivals „Goldener Spatz“ gibt Matthias-Film zusammen mit dem Evangelischen Rundfunkbeauftragten einen Empfang, zu dem alle TeilnehmerInnen des Festivals kommen.

    Im Juni erhält Matthias-Film in Berlin für seine didaktischen DVDs mehrere Comenius-Medaillen. Mit diesen Auszeichnungen wird die didaktische Qualität der Produktionen gewürdigt.

    2004

    Ein besonderes Highlight ist die aufwändig erstellte DVD eduvativ „Luther“. Der im Kino äußerst erfolgreiche Film wird aufwändig didaktisch bearbeitet und enthält eine Menge an Zusatzmaterialien. Die Produktion wird am 31.10.2004 in der Lutherstadt Wittenberg in Anwesenheit des stellvertretenden Ratsvorsitzenden bzw. des Kultusministers von Sachsen-Anhalt durch SchülerInnen des Martin Luther Gymnasiums präsentiert. Mit dieser Produktion verabschiedet sich Friedemann Schuchardt – nach 21 Jahren erfolgreicher Leitung als Geschäftsführer – in den Ruhestand.

    2005

    Andreas Ulmer wird neuer Geschäftsführer von Matthias-Film.

    2008

    Im Januar 2008 wird Gerd Knuth Geschäftsführer.

    2009

    Matthias-Film zieht nach 59 Jahren von Stuttgart nach Berlin. Es kommen zwei Eigenproduktionen auf den Markt (über die Scientologen und den Nahtod).

    2010

    Matthias-Film wird 60 Jahre alt und Pfarrer Bernd Merz übernimmt die Geschäftsführung.

    Die beiden Haupt-Internetseiten www.bilderbuchkino.de und www.matthias-film.de bekommen ein neues Gesicht.